Vorwort

Am 21. Mai 2017 stellte ich folgenden Text auf meine Facebook-Seite:

Europa, aufgepasst! Ich bin ja so ein kleiner Europa-Fanboy, und da ich es immer besser finde, sich auch mal anzuschauen, worüber man so spricht, mache ich die nächsten vier Monate genau das: Ich schaue mir Europa an. Mit Mann und Hund und Campingbus. Fahrräder, Zelt und Wanderausrüstung sind auch dabei. Und ein Tupperware-Multichef-Mixer. Warum auch immer. Nur Plan gibt es noch keinen. Wenn ihr also Tipps habt, was man in Europa mal gesehen haben muss, wo man gewandert sein muss, mit wem man gesprochen haben muss und wo es die besten Zutaten für den Multichef gibt, dann schreibt's doch einfach in die Kommentare. Gerne etwas jenseits von Toskana und Malle, gerne auch Richtung Osten und Südosten (Kroatien, Montenegro, Albanien – wohnt da jemand?).
Ich bin gespannt!

Allein für das Wort „Europa-Fanboy“ hätte man mit einer ordentlichen Social-Media-Nackenschelle rechnen können: Der Brexit war gerade fast ein Jahr her, in Deutschland stellten sich alle auf eine schwierige Bundestagswahl ein und Griechenland sollte zum wiederholten Mal frisches Geld von der EU bekommen – die Stimmung war, vorsichtig gesagt, aufgeladen. Aber genau deshalb wollte ich diese Reise machen: Ich wollte mal wieder etwas Positives mit Europa verbinden. Wollte schauen, ob die EU mehr ist als Bankenrettung und Flüchtlingskrise. Und ich wollte herausfinden, ob Facebook mehr kann als Shitstorms und Fotos von Katzen und Kantinenessen.
Und mein Plan ging auf: Ich bekam Hunderte begeisterter Antworten. Zahllose Leser gaben mir Tipps, wünschten uns viel Spaß und verrieten ihre persönlichen Lieblingsorte in Europa – von kroatischen Olivenhain-Restaurants bis zu ungarischen Thermalbädern, von portugiesischen Strandhöhlen bis zur „Kölschen Riviera bei Rodenkirchen“ (bezeichnend, dass ich die als Einziges immer noch nicht kenne). Wildfremde Menschen luden meinen Mann und mich zum Essen ein. Viele bewarben sich als Reiseleiter. Andere boten Stellplätze für unser Wohnmobil, Übernachtungsplätze für uns und einen Futternapf für unseren Hund an.
Wir ließen uns darauf ein und fuhren los – von Tipp zu Tipp, von Empfehlung zu Empfehlung. In vier Monaten legten wir 17.000 Kilometer zurück. Wir fuhren durch zwölf Länder. Wir wurden beschenkt und ausgeraubt, eingeladen und abgezockt, von portugiesischen Mechanikern gerettet und von einer französischen Auster außer Gefecht gesetzt. 
Es wurde ein wilder Ritt.